Historisches

 
Historisches zur Katharinenschule
 

Der Bau der Katharinenschule


Die zunehmende Einwohnerzahl Eisenachs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellte die Stadt vor die Aufgabe, der Schulraumnot durch Schulneubauten zu begegnen.

Ein einleuchtender Vorschlag bereits aus dem Jahre 1863 beinhaltete den Bau einer Schule im westlichen Teil Eisenachs, da sich dort der größte Betrieb, die spätere Kammgarnspinnerei, befand, der von Jahr zu Jahr wuchs und in dessen Nähe sich immer mehr Menschen ansiedelten.


So entstand in den Jahren 1876 bis 1881unter der Leitung des ehemaligen Stadtbaumeisters Hermann Hahn, auf dem Gelände des abgerissenen städtischen Schäfereigebäudes, ein schmuckloser Neubau, der nach Berechnungen von 1886 90.008,06 Mark kostete. Besondere Schönheit erlangt das Gebäude durch seine stattlichen Giebel mit den hohen Fensterelementen.


Ostern 1882 eröffnete die Katharinenschule erstmalig ihre Pforten. Das Gebäude hatte 10 Klassen und empfing den größten Teil ihrer Schüler aus der 2. und 3. Bürgerschule sowie aus der aufgelösten Frei- und Armenschule, deren meiste Schüler im Westviertel wohnten. Die oberste Leitung übernahm der Direktor der 1. Bürgerschule (Georgenschule), Herr Kögler, mit, gegen einen Besoldungszuschuss von 300,- Mark. Stellvertreter wurde Lehrer Burghardt aus der Katharinenschule, dem der Titel Oberlehrer als personengebundenes Prädikat zugesprochen wurde und der gegen die gleiche Entschädigung  einen Teil der Leitungsgeschäfte übernahm.


Bis 1910 hatte er dieses Amt inne. Jährlich waren 4,- Mark Schulgeld pro Kind zu zahlen. Im Jahre 1886 erhielt die Schule ihre Uhr im Giebel der Straßenseite, die in den 70 iger Jahren ausgebaut wurde.

Die Katharinenschule kam 2012 in privaten Besitz und wurde umfassend saniert.


Im Juni 2013 wurde auch die Turmuhr im Nordgiebel ersetzt.


Der Schulbetrieb in der Weststadt bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges

Im Jahre 1900 unterrichteten an der Katharinen- und Elisabethenschule unter Direktor Heiland und Oberlehrer Burkhardt 16 Lehrer und 2 Lehrerinnen. Für ein Gehalt von jährlich 1050,- Mark wurde im Februar 1901 ein neuer Lehrer an der Katharinenschule angestellt. Die gesamten Ausgaben für beide Schulen, hauptsächlich Personalkosten, betrugen im gleichen Jahr 44.100,- Mark.


Nach der Inbetriebnahme der Wilhelm-Ernst-Schule und der daraus resultierenden Neuverteilung der Schuleinzugsgebiete wurden Anfang des 20. Jahrhunderts an den beiden Schulen der Weststadt 1.330 Schüler von 23 Lehrkräften in 25 Klassen unterrichtet, was einer durchschnittlichen Klassenstärke von 53 Schülern entspricht. Bis zur Einweihung der Carl-Alexander-Schule 1909 herrschte in diesen beiden Schulen, mitten im Arbeiterviertel gelegen, permanente Raumnot.


Gelder für die Anmietung weiterer Räume wurden nicht bewilligt, stattdessen den Lehrern nahegelegt, auf den freien Nachmittag zu verzichten und ihn für den Unterricht zu nutzen. Auch Schulgeld musste an der Elisabeth- und Katharinenschule, die fast ausschließlich von Arbeiterkindern besucht wurden, weiterhin gezahlt werden: für das erste Kind 4 Mark, für das zweite 3 Mark, jedes weitere Kind war frei.


Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wechselten fast jährlich die Direktoren, was einer stetigen Arbeit massiv im Wege stand. Ein wichtiger Grund mag in der immensen Belastung der Direktoren gelegen haben, da der Direktor die Georgen-, Charlotten-, Katharinen-, Elisabethenschule, die Sekundarschule und die Schule in Fischbach gleichzeitig zu leiten hatte, auch wenn ein Oberlehrer jeweils einen beträchtlichen Teil der Leitungsgeschäfte erledigte.


Die Stadtverwaltung gedachte dadurch schlichtweg Geld zu sparen. Dieser unzumutbare Zustand wurde 1909 durch die Einstellung des Direktors Bergmann aus Weida als Rektor für die Katharinen- und Elisabethenschule beendet. Ruhe und Beständigkeit zogen in den Schulalltag ein. Dieser leitete die beiden Schulen bis 1929.


Allmählich erhöhte sich auch die Zahl der Lehrerinnen, sie blieben jedoch in der Minderheit (1906 6 von 25) und wurden noch schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen.

Ob Lehrer der Schulen in der Weststadt im Ersten Weltkrieg zur Front mussten, sind bisher keine Fakten überliefert.






























Mit der Katharinen- und Elisabethschule war seit der Jahrhundertwende eine Art Hilfsschule verbunden und im Gebäude der Elisabethschule untergebracht. Anfänglich leitete sie Direktor Heiland und Lehrer Grau unterrichtete in ihr. 1905 kam Lehrer Sömmer als zweite Lehrkraft hinzu und ab 1911 leitete Rektor Bergmann diese Sonderschuleinrichtung. Nach der Entstehung des Freistaates Thüringen 1920 wurde die Hilfsschule eine selbständige Anstalt.


Seit 1929 leitete Oberlehrer August Rossbach die Geschicke der beiden Schulen.

Über die Zeit von 1933 bis 1945 ist unsere Quellenlage bisher sehr dürftig. Überliefert ist, dass sich das Kollegium bis Ende der 30er Jahre nur unwesentlich veränderte.


Mit Beginn der Zweiten Weltkrieges sollte sich dies wandeln. Weil die meisten Lehrkräfte zu den älteren Jahrgängen gehörten, brauchten sie nicht in den Krieg zu ziehen. Dennoch kam es häufig vor, das berichten auch Zeitzeugen, dass Lehrer in andere Orte des Landkreises abkommandiert wurden, um dort die Fortführung des Unterrichts zu gewährleisten.


Viele Ausfallstunden war die Konsequenz. Vor Wintereinbruch wurde in kleinen Handwagen von den Schülern in der Umgebung der Schule Holz gesammelt. Um einmal geheizte Räume voll auszunutzen, wurden vormittags die jüngeren und nachmittags die älteren Schüler unterrichtet. Auch „Kälteferien“ gab es, um Kohle zu sparen. In dieser Zeit ging man einmal pro Woche zur Schule, um sich Aufgaben zu holen und unterweisen zu lassen.


Nach den ersten Bombenangriffen auf Eisenach 1944 wurden in der Turnhalle der Katharinenschule obdachlos gewordene notdürftig versorgt. Zu diesem Zweck stellte man die Turnhalle dicht mit Feldbetten zu, jeder Obdachlose bekam ein Feldbett und eine Schlafdecke. Viele mussten monatelang dort übernachten.Die Geschwister-Scholl-Schule 1945-1989.


Der Chef der SMAD, General Shukow, wies an, dass am 01.10.1945 der Schulbetrieb wieder zu beginnen habe. Pünktlich um 8.00 Uhr an jenem Tag bewegten sich die Schüler in Begleitung ihrer Lehrer von den Schulhöfen in Richtung „Fürstenhof“, wo mit einer Feier der Wiederbeginn des Unterrichts begangen wurde.


Problematisch war neben der Bereitstellung neuen Lehrmaterials vor allem der bauliche Zustand der Schule und die Versorgung mit Heizmaterial, da der Winter bevorstand. So wurde der Unterricht am Jahresende 1945 vorübergehend ins Gebäude der Katharinenschule (Geb.II) verlegt, da die Elisabethschule (Geb.I) fast nicht nutzbar war. In den Jahren 1945 bis 1947 wurden u. a. folgende notwendigen Arbeiten ausgeführt:


- Katharinenschule

- Instandsetzung der Turnhalle (03.10.1946)

- Instandsetzung der Öfen

- Elisabethschule

- Dachreparatur und Erneuerung der Schornsteinköpfe

- Instandsetzung der Zentralheizung

- Neuverglasung der meisten Fenster bzw. Neueinbau von Fenstern

- Anstrich- und Putzarbeiten


Laut Zeitzeugen blieben in den ersten Monaten einige Sitzplätze in den Klassen leer, da vor allem Jungs wegen Hof- und Gartenarbeit, Geldverdienen aber auch Schwarz- und Tauschhandel dem Unterricht fern blieben. Auch fehlte durch das Verlorengehen zahlreicher Personalunterlagen und den fortdauernden Zu- bzw. Wegzug  der Vertriebenen aus den Ostgebieten eine einwandfreie Kontrolle über alle Schulpflichtigen.


Ein Gegenstand unserer Nachforschungen wird in nächster Zeit sein, welche Lehrer nach dem „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule“ von 1946 an unserer Einrichtung entlassen und durch Neulehrer ersetzt wurden. Vor und nach 1950 wurden beide Schulen vom Neulehrer Erwin Surup geleitet. Ihm folgte 1952 Herr Fladung, bis 1953 Fred Minge (bis 1990) die Leitung übernahm.


Ein historisches Datum war der 29.06.1950, als in einer Sitzung des Eisenacher Gemeinderates beide Schulen der Weststadt in „Geschwister-Scholl-Schule“ umbenannt wurden. Zweifellos bewies man mit der Wahl dieses Namens eine glückliche Hand.


Auch die 50er Jahre waren geprägt von dem Bemühen, neben der Umsetzung der neuen Bildungsrichtlinien vor allem die äußeren Bedingungen für den Schulbetrieb zu verbessern, natürlich immer im Rahmen der häufig nur in bescheidenem Maße zur Verfügung stehenden finanziellen und technischen Möglichkeiten.


Als Beispiele seien hier genannt der jahrelange Kampf um dringendst notwendige neue Toilettenanlagen (bemängelt 1950, gebaut 1958), ständige Reparaturen an der in die Jahre gekommenen Heizungsanlage oder Kapazitätsengpässe in den Horträumen. Auch die Arbeitsbedingungen des Direktors, seines Stellvertreters, der Lehrer und der Sekretärin verbesserten sich Mitte der 50er Jahre durch den Umbau eines Klassenzimmers.


Schließlich bekam der Hausmeister noch eine annehmbare Wohnung im Schulgebäude.

Zum 01.09.1957 wurde die Schule für einige Jahre in zwei selbständige Schulen (Sophie-Scholl-Schule, Geb.I, Leitung Herr Minge und Hans-Scholl-Schule, Geb.I, Leitung Herr Gerlach) geteilt, was aber Ende der 60er Jahre wieder aufgehoben wurde.


In der zweiten Hälfte der 60er Jahre wurden die Küche und der Schülerspeiseraum modernisiert.

Ein weiterer größerer Umbau erfolgte 1971 im Gebäude II durch den Einbau zweier massiver Trennwände in die durch eine Holzwand getrennte Aula im Obergeschoss , wodurch zwei akustisch gut getrennte Klassenräume sowie ein durchgehender Flur geschaffen wurden. Ebenso bekam das Gebäude eine Zentralheizung.




 
Hermann Hahn